innovative Intralogistik – Kiva Systems

Die Lagerhaltung und Logistik gehört im Versandhandel bei den meisten Unternehmen zum Kerngeschäft und damit meistens leider auch zu den größten Kostenfaktoren. Glaubt man den einschlägigen Quellen wächst jeder “Internet Pure Player” in Deutschland immer noch im Schnitt um bis zu 30% jedes Jahr. Führt man Lagerhaltung und Intralogistik im eigenen Haus, kann dieses Wachstum schnell zum Problem werden, das “Warehouse” ordentlich zu skalieren gehört neben allen anderen Unternehmensbereichen zu den schwierigeren Aufgaben. Einfachster und oft umgesetzter Lösungsansatz:

Mehr Ware (Kapitalbindung) + Mehr Lagerfläche (einmalige Investition oder laufende Kosten) + Mehr Personal (laufende Kosten)

Dabei kann mit den entsprechenden Konzepten diesem Thema wesentlich effizienter zu Leibe gerückt werden, z. B. durch Outsourcing: Auslagerung der gesamten Lagerhaltung und Warehouse-Logistik an ein externes Fulfillment-Unternehmen. Alternativ Inhouse: Wenn man die gesamte Wertschöpfungskette weiterhin selbst unter Kontrolle und im eigenen Unternehmen behalten möchte:

Stufe 1: bedarfsorientierte Bestellung (On-Demand-Order) und Cross-Docking, sie bestellen die Ware erst bei ihrem Lieferanten, sobald Kundenauftrag eingegangen ist und verschicken direkt bei Wareneingang ohne das die Ware je ihr Lager gesehen hat. Nachteil: Abhängigkeit von Lieferzeit und Zuverlässigkeit der Lieferanten plus Zeitverlust der Zwischenstation (“Next day delivery“).

Stufe 2: Weg von der Einzel-Kommissionierung von Aufträgen zur wege-optimierten Sammel- oder zweistufigen Kommissionierung mit chaotischer Lagerhaltung und ggf. entsprechender Mobiler Datenerfassung (MDE). Softwaretechnisch und Umsetzung eigentlich keine große Herausforderung, aber leider bei vielen Lösungen heute immer noch nicht im Standard-Leistungsumfang.

Stufe 3: ABC-Analyse: Kategorisierung der Lagerplätze und Analyse von Umschlagshäufigkeit der einzelnen Produkte, Schnelldreher nach vorne und über kurze Wege erreichbar, Lagerpenner aussortieren oder weiter nach hinten.

Stufe 4: Optimierung des Wareneinkaufs, dynamische Bestellvorschläge mithilfe bestimmter Algorithmen (Disposition) und Faktoren statt statisch. Bestellen und lagern sie nur dass, was saisonal oder aktuell beim Kunden gefragt ist bzw. kurz- bis mittelfristig verfügbar sein muss, Vorhaltung von wenig frequentierten Artikeln reduzieren.

Stufe 5: (Teil-)Automatisierung des Lagers mithilfe automatischer Materialfluss- & Fördersysteme, automatischer Kleinteile- und Hochregal-Lager, Nachteil: Hohe Investitionskosten und kurzfristig schwer skalierbar.

Stufe 6: dynamische Lagerhaltung & Kommissionierung mithilfe autonomer Kleinroboter-Systeme, welche ressourcen-schonend einige der oben genannten Vorteile vereint.

Genau an diesem Punkt kommt ein US-Unternehmen ins Spiel, welches in Europa gefühlt noch gänzlich unbekannt ist: Kiva Systems, im Jahr 2003 gegründet, machte es in der US-Logistikbranche schnell mit einer kleinen Technik-/Prozess-Revolution auf sich aufmerksam. Keine Förderbänder, automatisierte Hochregallager oder neuartigen Gabelstapler: Kleine, autonom agierende Roboter, welche in der Lage sind durch das ganze Lager zu rollen, Kleinregale aufzunehmen und an ihren Bestimmungsort (Packplatz oder Einlagerung) hin und wieder zurück zu transportieren. Um einen Eindruck des Prozesses und der Technik zu gewinnen, empfehle ich folgendes Video:

Jeder der sich mit Materialfluss oder neu-deutsch Warehouse-Logistik beschäftigt und diese Technik zum ersten mal sieht, braucht mindestens 2 Durchläufe dieses Videos um alle Details wahrzunehmen  und ansatzweise zu verstehen wie scheinbar mühelos dieses System viele Einzelprozesse (siehe weiter oben) in der Waren-Distribution zusammenfasst und vereinfachen kann.

Statt einen Menschen aus Fleisch und Blut als “Picker” oder “Stower” loszuschicken, übernimmt diese Aufgabe hier einfach ein kleiner orange-farbener Roboter auf vier Rädern mit integrierter Hebetechnik. Statt den einzelnen Artikel aufzunehmen um ihn einzulagern oder an den Packplatz (Ware-zu-Mann) zu transportieren, wird einfach das gesamte Regal aufgenommen, in welchem sich die Ware befindet oder in welches sie eingelagert werden soll und an die entsprechende Stelle transportiert.

Die Kunst liegt in der Steuerung und Lagerstrategie des Gesamtsystems, das Regal, der Roboter bzw. die Ware müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Beim Einsatz von bis zu mehreren Tausend Regalen und Hunderten von Robotern kein leichtes Unterfangen in einem Echtzeit-System.

Die Skalierbarkeit und Flexibilität mit diesem System scheint schier unbegrenzt, vorausgesetzt die entsprechenden, absolut ebenen Flächen (!), stehen zur Verfügung. Die genutzten Lagerflächen müssen nicht einmal mehr beleuchtet, beheizt oder aufwändig mit festen Fachböden-Regalen ausgestattet werden, ein Roboter findet sich auch im Dunkeln und unterhalb der Norm-Temparatur zurecht, die mobilen Regale bringt oder holt er selbst. Überspitzt ausgedrückt ist der Mensch außer zur Einlagerung und Entnahme hier nicht mehr notwendig, außer der physikalischen Beschränkung der Akku-Laufzeit eines jeden einzeln Roboters gelten hier auch keine gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten und Pausen sowie Leistungseinschränkungen durch Ermüdung, Erschöpfung oder Ablenkung. Ein Roboter kennt nur zwei Zustände: Null oder Eins

Nicht ohne Grund ist Kiva Systems bereits bei vielen der Top 500 US-Internet-Retailer im Einsatz, zu den Kunden zählen unter anderem Zappos.com (Amazon), diapers.com & soap.com (Quidsi Inc.), drugstore.com, Staples, Toysrus, die Gilt Group und Office Depot.

Schöner Einblick bei Zappos.com:

Warscheinlich wird dieses System kein Hoch-, Schnelldreher- oder Paletten-Regal ersetzen, sieht man die Image-Videos der einzelnen oben aufgeführten Unternehmen, wird schnell klar das hier (nicht ohne Grund) auf Mischsysteme gesetzt wird. Kiva Systems gehört aber mit Sicherheit zu den effizientesten und ökonomischsten Lösungen im Kommissionier- bzw. Picklager.

PS: Seit nunmehr 2 Jahren bin auf der Suche nach einer Live-Installation in Europa, sollten sie ein Unternehmen kennen, welches Kiva Systems im Echtbetrieb in Europa im Einsatz hat, wäre ich für einen Tipp dankbar! –> Kontakt

2 Gedanken zu “innovative Intralogistik – Kiva Systems

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